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Marienkirche
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Marienkirche
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Marienkirche/Neuer Markt
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Marienkirche
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Südflügel der Marienkirche
und im Hintergrund die Petrikirche
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Marienkirche/Neuer Markt
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Rostock von Gehlsdorf aus
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Pferdebahn auf dem Neuen Markt
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Elektrische Bahn auf dem Neuen Markt
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Blick vom Neuen Markt

Marienkirche


Position

3D-Model

Steckbrief

  • 1232 erstmalige urkundliche Erwähnung der Vorgängerkirche
  • 1290 Baubeginn der heutigen Kirche
  • um die Mitte des 15. Jh. war der Bau abgeschlossen

Hauptaltar


Der Hochaltar mit zweigeschossigem barockem Architekturaufbau aus Holz wurde 1720/21 von Baudirektor Christian Rudolph Stoldt aus Berlin entworfen und von Berliner Künstlern ausgeführt: dem Maler Andreas Weißhut, dem Bildhauer Hinrich Schaffer und dem Tischler Friedrich Möller.

Der Altar ist grauoliv gefasst, die plastischen Figuren sind weiß, goldene Ornamente akzentuieren die Komposition. Der geschwungene Grundriss steht im Scheitel des Chorraumes und passt sich dem Chorschluss an. Links und rechts schließen sich Beichtstühle an den Altar an, die von den beiden alttestamentlichen Königen und reuigen Sündern David und Manasse bekrönt werden.

Motiv des gemalten Hauptfeldes ist die Auferstehung Jesu Christi, eingefasst von zwei Skulpturen, die die Gesetzestafeln, ein Buch, Sonne und Mond tragen. Außen wird diese Etage von den Personifikationen der christlichen Tugenden – Glaube, Liebe und Hoffnung – sowie der Stärke umrahmt. In der Sockelzone darunter ist das Abendmahl dargestellt. Eine geschnitzte, von Putten getragene Kartusche mit einer Darstellung des Auferstandenen als Salvator Mundi bildet den Übergang vom Hauptfeld zu einem oberen Stockwerk des Altares. Auch dieses Gemälde, dessen Motiv die Herabkunft des Heiligen Geistes während des Pfingstfestes ist, wird von vier plastischen Personifikationen der Tugenden umrahmt. An der Spitze des Altars befindet sich das in einem ausladenden Strahlenkranz ruhende Auge Gottes.

Kanzel


Die Predigtkanzel befindet sich in ungewöhnlich großer Entfernung zum Altar am südwestlichen Vierungspfeiler. Der Grund dafür dürfte die relativ schlechte Akustik der Marienkirche gewesen sein, die eine größtmögliche Nähe zum Kirchenvolk nötig machte.

Die Renaissance-Holzkanzel von 1574 stammt angeblich von dem aus Antwerpen stammenden, aber in Rostock ansässigen Bildhauer Rudolf Stockmann († 1622). Da Stockmann, der auch die Kanzeln der Petri- und der Jakobikirche sowie zahlreiche Epitaphien schuf, erst ab 1577 in Rostock nachweisbar ist, ist diese Zuschreibung nicht unumstritten.

Auf die Kanzel gelangt man über einen um den Pfeiler geschwungenen Aufgang, der von einem Eingangsportal abgeschlossen wird. Dieses ist im Aufbau der Architektur eines Triumphbogens mit seitlichen korinthischen Säulen und einem Bogenfeld über der Tür nachgebildet. Auf dieses ist ein Relief mit der Darstellung des Barmherzigen Samariters zwischen Moses und Johannes dem Täufer eingefügt, darüber ringt Jakob mit den Engeln. Das Geländer der Treppe ist zeittypisch mit reichen, vergoldeten Reliefs und Ornamenten geschmückt. Diese werden am Kanzelkorb in noch prächtigerer Form und vollplastisch mit Darstellungen der Passion und Auferstehung Christi fortgesetzt. Ihr ikonographisches Programm ist charakteristisch für die norddeutsche Kunst der Reformationszeit.

Der Schalldeckel wurde 1723 von dem Tischler Friedrich Möller und dem Bildhauer Dittrich Hartig aus Rostock gefertigt. Er ist dem Dekor der Spätrenaissance des älteren Korbs angepasst und stellt Szenen der Apokalypse des Johannes dar.

Orgel


Der bis zum Gewölbe ansteigende prachtvolle Orgelprospekt (1766 bis 1769) mit unterbauter älterer Fürstenempore (1749–1751) und Ratsgestühl im westlichen Abschluss des Langhauses wurde von mehreren Rostocker Künstlern geschaffen: den Bildhauern J. A. Klingmann und J. G. Bergmann, dem Tischler Kählert und den Malern Hohhenschildt, Marggraf und Brochmann.

Wie die beiden anderen raumbeherrschenden Elemente, Altar und Kanzel, ist auch die Orgel in grauoliv mit goldenen Ornamenten gefasst. Die Fürstenloge im Stil des Rokoko wird von zwei verglasten Balkonen flankiert und von einem Baldachin mit dem Wappen des Hauses Mecklenburg-Schwerin und den Initialen Christian Ludwigs II. gekrönt.

Über der Empore ragt der Orgelprospekt auf, der deutlich später, aber in Zusammenarbeit derselben Künstler entstand. Die Fassade der Orgel ist ein Werk des Rostocker Orgelbauers Paul Schmidt. Da sein Orgelwerk „windsüchtig“ war, wie die Inschriften auf der Orgelempore berichten, wurde 1791 ein Umbau nötig, den Ernst Julius Marx bis 1793 ausführte. Im Inneren der Orgel ist von Schmidts Instrument nahezu nichts mehr erhalten. Nach weiteren Veränderungen wurde die Orgel zuletzt 1938 von der Orgelbauanstalt Firma Sauer (Frankfurt/Oder) umgebaut. Das Konzept für diesen neobarocken Umbau wurde vom Berliner Domorganisten Prof. Fritz Heitmann entworfen. Über 30 Register stammen aber noch aus der Zeit vor 1938, zudem wurde ein großer Teil der Windladen von Marx beibehalten. 1983 wurde das Instrument generalüberholt und 2007 von Einwirkungen der Gewölberestaurierung gereinigt. Es handelt sich um eine viermanualige Schleifladen-Orgel mit elektropneumatischer Traktur und 83 klingenden Registern mit vier freien Kombinationen.

Astronomische Uhr


Im Chorumgang füllt hinter dem Hochaltar die elf Meter hohe astronomische Uhr den gesamten Raum zwischen zwei Pfeilern aus. Sie ist die älteste des hanseatischen Typs und die einzige deutsche Monumentaluhr mit noch funktionsfähigem mittelalterlichem Uhrwerk, das aus dem Jahr 1379 stammt. 1472 wurde die Uhr von Hans Düringer aus Nürnberg umgebaut und 1641 bis 1643 von Andreas Brandenburg und Michael Grote instandgesetzt. Die geschnitzten figürlichen Tierkreisringe und Monatspersonifikationen aus dem 15. Jahrhundert wurden bei dieser Instandsetzung um eine architektonische Einfassung im Stil der Spätrenaissance erweitert. Gleichzeitig erhielt die Uhr ein Musik- und Schlagwerk. Das Glockenspiel, dessen Melodien über eine Walze mit veränderbaren Stiften frei programmiert werden können, ertönt zu jeder vollen Stunde, der Figurenumzug erscheint nur zur 12. und 24. Stunde. Das große Zifferblatt im mittleren Teil hat eine 24-Stundenteilung. Außerdem werden neben der Mondphase die Stellung von Mond und Sonne im Tierkreis und noch ein sogenannter Bauernkalender angezeigt. Im unteren Kalendarium sind das Datum, der Wochentag, der Monat, der Sonnenaufgang, die Länge von Tag und Nacht und weitere antike Kalenderdaten, wie Römerzinszahl, oder christliche, wie Ostertermin, Intervall zwischen Weihnachten und Fastenzeit, Name des Tagesheiligen ablesbar.

Auftraggeber der ursprünglichen Uhr war die Marientiden-Bruderschaft, der so genannte „Herren-Kaland“, in dessen Besitz sich die Kapelle befand. Mitglieder dieser Bruderschaft waren ausschließlich die Spitzen der Rostocker Gesellschaft, darunter der Bürgermeister, Universitätsprofessoren, Mitglieder des Fürstenhauses und der Adel der Region. Gegenüber der Uhr, stand der Marienaltar der Bruderschaft mit einem bedeutenden Marien-Gnadenbild. Die Instandsetzung des 15. Jahrhunderts wurde unter anderem mit Ablassgeldern bezahlt.

1943 wurde die Uhr zum Schutz gegen Bombenangriffe eingemauert und erst 1951 wieder freigelegt. 1974/77 wurden die aus insgesamt 2.000 Einzelteilen bestehenden fünf Werke restauriert.
Quellenangaben
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